top of page

Mit dem Aufstieg der Plattformen kam die Spaltung der Gesellschaft

  • Autorenbild: Leif Offen
    Leif Offen
  • 1. Sept. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Mit dem rasanten Aufstieg von Plattformen wie Facebook, YouTube und zuletzt TikTok und X begann der Niedergang unserer Fähigkeit, uns als Gesellschaft auf gemeinsame Werte und Wahrheiten zu einigen. Gesellschaften spalten sich zunehmend in polarisierte und verfeindete Lager. Demokratien weltweit stehen vor dem Umbruch und geraten ins Wanken. Was sind die Ursachen?


Die großen Plattformen - echter Mehrwert durch hochspezialisierte Inhalte


Früher bezogen alle Menschen ihre Informationen aus einigen wenigen Quellen. Die Medienlandschaft war überschaubar und nachvollziehbar. Wer über ein Thema falsch berichtete, musste sich in der Regel korrigieren. Heute kann theoretisch jeder Mensch Inhalte und Nachrichten produzieren und veröffentlichen. Die großen Internetplattformen wie YouTube, Facebook, TikTok oder X (Twitter) machen es möglich. Das bedeutet, dass wir nicht mehr nur wenige große Sender haben, sondern Millionen von kleinen "Sendern", die spezielle Inhalte für besondere Interessen bieten. Zum Beispiel gibt es für Hobbys wie "Aquarellmalerei" oder "Flugzeugmodellbau mit Elektroantrieb" jetzt signifikant mehr und vor allem hoch-spezialisierte Inhalte online, als es früher in den klassischen Medien gab. Das hat viele Vorteile, weil man genau die Informationen findet, die einen interessieren, egal zu welchem Thema.


Medienintransparenz und Strömungen


Aber es gibt auch Nachteile. Da nun Millionen kleine "Sender" existieren, ist es fast unmöglich zu überblicken, wer welche Informationen genau verbreitet hat. Und es ist noch schwieriger zu überblicken, wer was konsumiert hat. Das nennt man Medienintransparenz. Wir wissen oft nicht mehr, woher Informationen kommen, wie verlässlich sie sind und wer sie sieht. Heute bekommt jeder andere Inhalte zu sehen. In dieser Breite und Masse ist insbesondere eine zeitnahe Überprüfung von Nachrichten durch Journalisten nicht möglich. Was stimmt und was nicht? Das macht unsere neue Informationswelt anfällig für systematische Manipulation und damit unsere Demokratie verletzlich.


Traditionelle Medien verlieren ihre Rolle


Zeitungen und Fernsehsender konnten mit dieser Spezialisierung nicht mithalten. Der Wandel hat die traditionellen Medien extrem geschwächt. Sie konnten die hoch-spezialisierten Themen nicht nur in dieser Breite nicht konkurrenzfähig anbieten, sondern vor allem hinsichtlich Schnelligkeit und Aktualität nicht mithalten. Stattdessen produzieren traditionelle Medien Inhalte für die breite Masse, wie zB. Politik und allgemeine Nachrichten, erreichen damit aber immer weniger Menschen. Studien zeigen, dass in den USA bereits 2/3 der Bevölkerung ihre Nachrichten über soziale Medien konsumieren. Auch für Deutschland lässt sich dieser Trend erkennen. Ist die enorme Schwächung der '4. Gewalt im Staat' eine Gefahr für die Demokratie?


Algorithmen steuern was wir sehen und spalten unsere Gesellschaft


Egal ob auf YouTube, Facebook, TikTok, X (Twitter) oder sogar Google – überall entscheiden Algorithmen, welche Inhalte wir vermehrt zu sehen bekommen. Die Plattformen optimieren ihre Inhalte für jeden individuell. Immer mit dem Ziel: maximale Aufmerksamkeit und maximale Interaktion. Denn nur so lassen sich auch Werbeerlöse maximieren. Wir leben quasi in einer Art digitalen Echokammer, in der wir immer wieder mit denselben Themen und Argumenten konfrontiert werden, während gegensätzliche Standpunkte uns immer weniger erreichen. Wir alle sind in einer Filterblase, denn die Plattformen filtern für uns nur das heraus, was unser weiteres Interesse weckt und unsere Meinung bestätigt.


Das Problem ist: Filterblasen beeinflussen zunehmend unser Gehirn, das wie ein Muskel von den Reizen trainiert wird. Hunderte solcher Reizpunkte, regelmäßig, über alle Plattformen hinweg verändern immer mehr unsere Einstellung und Denkweise zu bestimmten Themen. Wir werden in unserer Filterblase immer wieder mit denselben Meinungen konfrontiert, während abweichende Perspektiven uns kaum noch erreichen. "Unsere Meinungswelt muss doch so stimmen, oder? Alles andere ist falsch." Die Meinungswelten driften immer weiter auseinander. Corona, Atom-Ausstieg, Klima-Politik etc. Die Gesellschaft polarisiert sich in fast jedem Thema immer mehr. Mit dramatischen Folgen.


Unsere Demokratie ist in Gefahr


Früher hatten wir einen gemeinsamen "Informationskern", der uns verbunden hat. Heute erlebt jeder die Welt anders, weil Plattformen gezielt Inhalte ausspielen, die unseren Interessen oder Meinungen entsprechen. Das hat die Fähigkeit, sich auf gemeinsame Wahrheiten zu einigen, stark geschwächt. Mit der zunehmenden Individualisierung der Informationswelt wird es schwieriger, Kompromisse zu finden. Unterschiedliche "Wahrheiten" führen zu Konflikten. Der Begriff "gesellschaftliche Spaltung" ist genau in der Zeit des Aufstieg der großen Plattformen seit 2010 entstanden. Viele reden nicht mehr miteinander, sondern bekämpfen sich nur noch - insbesondere in der Politik.

"Nie standen sich Republikaner und Demokraten in den USA feindseliger gegenüber als heute."

Diese Entwicklung sehen wir in allen Ländern der westlichen Welt, nicht nur in den USA oder Deutschland, obwohl die wirtschaftlichen Ausgangsvoraussetzungen der einzelnen Länder stets grundverschieden sind.


Technologie als Lösung


Die Initiative Technologie für Demokratie möchte ein breites Bewusstsein schaffen für die zerstörerischen Auswirkungen von Desinformation und algorithmisch gesteuerten Inhalten. Ziel ist es, die Mechanismen hinter Filterblasen und gesellschaftlicher Spaltung verständlich zu machen und aufzuzeigen, wie diese massiv unsere Demokratie, Wirtschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden.

"Wir werden die Verbreitung von Desinformation über internationale Plattformen und Messenger nicht verhindern können. Aber wir können eine Technologie entwickeln, die ihr entgegenwirkt und gesellschaftliche Spaltung reduziert."

Die Initiative setzt sich für die Entwicklung einer Plattform für Deutschland ein, die Transparenz, Fakten und Dialog in den Mittelpunkt stellt. Dabei sollen Künstliche Intelligenz und Journalismus kombiniert werden, um Desinformation aufzudecken und neue Standards für Nachrichten zu setzen.​​

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page